Tropenhitze!

Am 11.Mai 2015 habe ich von Kuala Lumpur in Malaysia, zum ersten Mal eine Luftfracht für mein Motorrad den „Weißen Elefanten“ organisiert. Die Frachtabteilung von Air Malaysia bot einen günstigen Preis für die Luftfracht nach Borneo, so dass ich den allgemein üblichen Weg, den fast alle Motorradreisenden von Malaysia nach Indonesien wählen, mit dem „Gemüseboot“ von der Insel Penang, im Norden Malaysias nach Medan auf die indonesische Insel Sumatra zu verschiffen, für mich änderte und beschloss meine Reise im malaysischen Teil von Borneo fortzusetzen. Die Luftfracht, selbst innerhalb des Landes Malaysia war komplizierter als ich vermutete, es folgtenunzählige Besuche in verschiedenen Büros von Zoll und Frachtgesellschafft auf dem riesigen Gelände des Flughafens von Kuala Lumpur, bevor mein Motorrad auf einer Palette verzurrt wurde undAbflugbereit war. Für die Strecke zwischen Kuala Lumpur und Kota Kinabalu in der malaysischen Provinz Sabah im Nordwesten Borneos bedurfte es keiner zusätzlichen Verpackung des Motorrades. Am 12.5. folgte ich meiner Maschine mit einem günstigen Onewayticket und nach kurzem Gerangel mit den Zollbehörden in Borneo konnte ich den Zündschlüssel drehen und meine Reise auf der drittgrößten Insel der Welt fortsetzen. Mich empfing wie erwartet Tropisch heißes Klima was die zuvor erlebten Temperaturen nochmals überstieg. Ich hielt mich nach meiner Ankunft einige Tage in Kota Kinabalu, der Hauptstadt von Sabah auf und genoss frische Meeresfrüchte, spektakuläre Sonnenuntergänge in Äquatornähe und feierte in dieser sehr westlich geprägten Stadt, mein einjähriges Reisejubiläum. Schnell hatte ich nach meiner Ankunft einige interessante Menschen dort kennengelernt, die mich schnell in ihre Mitte nahmen. Viele Ausländer haben sich in Kota Kinabalu niedergelassen und betreiben verschiedenste Geschäfte. Ich wurde zu Dschungeltouren und Ausflügen auf Langbooten in die teils unberührte Wildnis in diesem Teil von Borneo eingeladen. Ein talentierter Tätowierkollege aus Kota Kinabalu zeigte mir die interessantesten Orte seiner Heimatstadt. Mein Einjähriges „On the Road“ wurde zünftig gefeiert in einem schönen Café. Ich zeigte einige Bilder meiner bisherigen Reise mit dem Projektor eines der neuen Freunde, berichtete über meine Erlebnisse der Fahrt Über Land von Europa bis nach Borneo und etwa fünfzig Interessierte folgten meinem Vortrag. Wir feierten anschließend mit Unmengen von Gin Tonic... So arg, dass ich meine Weiterfahrt um einen Tag verschob. Nach den Tagen in der Stadt, zog es mich in die Natur und ich fuhr an die Nordspitze von Borneo. Von dort ist es nur noch ein Katzensprung zu den Philippinen. Ich wurde vor meiner Reise in den Norden Borneos, immer wieder gewarnt dort oben wild am Strand zu campen. In den Monaten zuvor kam es in Sabah wiederholt zu Entführungen von Ausländern und Malaysischen Geschäftsleuten durch Separatisten von den südlichen Inseln der Philippinen. Diese hatten in der Woche vor meiner Fahrt in die Region, den Betreiber einer Fischzuchtanlage entführt. Sie versuchen durch die Entführungen Zugeständnisse der Philippinischen Regierung und Freilassungen inhaftierter Kollegen zu erzwingen. Zusätzlich fordern sie Plump Geld von den Angehörigen der Entführten. Da sie mit kleinen Schnellbooten an die Küste Borneos vordringen, blitzschnell zuschlagen und so schnell verschwinden wie sie gekommen sind, ist es schwierig ihrer habhaft zu werden, oder ihr auftauchen gänzlich zu unterbinden. Die Fahrt durch diesen Teil Borneos verlief zum Teil schon durch riesige Palmöl Plantagen und es war bedrückend zu sehen, wieviel des ursprünglichen Waldes dieser Insel bereits vernichtet wurde um dem Bedarf der Welt nach billigem Palmöl gerecht zu werden. Die Teile die noch ursprünglich erhalten waren erschienen in unvorstellbarer Pracht. Der Urwald Borneos ist da wo er noch vorhanden ist, ein einzigartiges Ökosystem, das in seiner Artenvielfalt sicher einmalig ist auf der Erde. Ich durchkreuzte den gesamten Norden der Provinz Sabah und fuhr über Umwege in die kleine Hafenstadt Sandakan, in der ich einen der buntesten Fischmärkte erleben durfte die ich je sah. Einige Male stand ich um vier Uhr in der Früh auf, um dem Treiben auf diesem Markt beizuwohnen, bei dem man alles aus der Nähe sehen kann was in tropischen Gewässern an Speisefisch und Meeresfrüchten vorkommt. Ich besuchte für einige Tage den Ort Semporna, der für seine Pfahlbauten Siedlungen, die weit in die Celebes See reichen, bekannt ist. Ein Volk der Seenomaden, die „Bajau“ bewohnt diese Pfahlbauten, oder lebt mit ganzen Familien auf kleinen Holzbooten, die sie nur selten verlassen um an Land zu gehen. Die Bajau gehören zu den wirtschaftlich ärmsten Menschen Malaysias, an Freiheit scheinen sie jedoch reich zu sein, denn ich blickte in viele glückliche Gesichter bei meinem Besuch dort. Ich durchquerte den Südlichen Teil der Provinz Sabah durch endlose Wälder die bisher von dem Kahlschlag verschont blieben und erst als ich mich Brunei näherte, prägten wieder Ölpalmplantagen das Bild der Landschaft bis zum Horizont. Mit einer Fähre ging es auf die Malaysische Insel Labuan und von dort mit einer weiteren Fährverbindung nach Brunei. Von Labuan aus sah ich bereits Bohrinseln die der Gewinnung von Erdöl und Gas vor der Küste Bruneis und Malaysias dienen. Viele Schiffe die zur Versorgung dieser Plattformen gebraucht werden, konnte ich im Hafen von Labuan und später bei der Ankunft in Brunei ausmachen. Brunei südlich zu umrunden um in die Malaysische Provinz Sarawak zu gelangen ist nicht möglich. Es fehlen schlichtweg die Straßen und der Weiße Elefant ist kein Motorrad, das mal eben von Hand in eins der auf Borneos unzähligen Flüsse verkehrenden Langboote verladen zu werden. Fahrer leichter Enduros haben zuvor über verschlammte Pisten und mit der Zuhilfenahme vieler kleiner lokaler Boote, eine südliche Umrundung Bruneis geschafft. Ein Abenteuer welches mir wegen Übergewicht verwehrt blieb. Da ich Brunei an einem Freitag erreichte, erlebte ich so gut wie nichts von diesem stark Islamisch geprägten Land. Der dort herrschende Sultan gestattet seinen Bürgern keinerlei Abweichung von der Konservativen Auslegung dieser Religion. Es herrscht die Scharia. Der Freitag ist dem Gebet gewidmet und so waren die Straßen kurz nach Mittag, als ich die Fähre in Brunei verließ, leer gefegt. Ich fand nichts, was mich zum Bleiben bewegen konnte, half noch einem gestrandeten Rollerfahrer mit einer Benzinspende aus meinem riesigen Tank und verließ das Sultanat bereits zwei Stunden später wieder in die Malaysische Provinz Sarawak. Dort lernte ich abermals, dass man Weltweit keinem Zöllner trauen sollte bei der Bearbeitung des „Carnet des Passages“ für sein Fahrzeug…um ein Haar wäre es wieder einmal falsch gestempelt worden. Die ersten Tage in Sarawak verbrachte ich in einem „Langhaus“ in der Nähe des Küstenortes Miri. Langhäuser, traditionelle Wohnorte der „Dayakvölker“ Borneos beherbergen in manchen Orten bis zu fünfzig Familien unter einem riesigen Dach. Sehr einfach wird Reisenden auf Borneo die Gastfreundschaft der Ureinwohner zu Teil, wenn man eins dieser traditionellen Wohnhäuser besucht. Mein Motorrad diente abermals als Eisbrecher und sorgte für Aufregung und Interesse an meiner Reise wo immer ich in Borneo damit auftauchte. Die „Iban“ ein Stamm der Dayak, die dieses Haus bewohnten wurden schnell auf meine Tätowierungen aufmerksam, spielte doch die Tätowierung bei ihren Vorfahren noch eine große Rolle in ihrer Gesellschaft. Noch heute findet man vereinzelt alte Menschen der Dayak, Iban und Kayan die traditionelle Tätowierungen, entstanden in alten Klopftechniken vor vielen Jahrzehnten, tragen. Auch bei den jungen Menschen sindTätowierungen nach wie vor sehr beliebt. Es gibt einige gute Künstler auf Borneo, die teils in alten Techniken diese dort gepflegte Tradition fortsetzen. Die Iban die ich im Norden Sarawaks kennenlernte luden mich in ihr Heimatdorf Lubok Antu ein und ich revanchierte mich dort für die Gastfreundschaft indem ich einige von Ihnen mit Motiven ihrer Kultur tätowierte. Mein Weg führte über die Chinesisch geprägte Stadt Sibu am Ufer des gewaltigen Rajang. Der Rajang der 60km weiter ins Südchinesische Meer mündet ist ein Knotenpunkt für Handel und Personentransport. Viele Orte im Inneren Borneos sind nur über diesen Fluss zu erreichen unddas Treiben an seinem Ufer sehr lebhaft. Flöße mit gewaltigen Mengen edler Tropenholzstämme werden von riesigen Schleppern gen Meer gezogen. Ganze Flotten von Langbooten in verschiedenen Größen, die alles transportieren was die Menschen von Flussaufwärts zum Handel bringen und zum Leben dort benötigen legen in Sibu an.

 

      Meine Reise in Sarawak endet in Lubok Antu. Meine Fahrt dorthin durch strömenden Regen verläuft beinah tragisch, als ein mir entgegenkommender Kleinlaster wie aus dem nichts beginnt zu schleudern und mir quer entgegenkommt. Er dreht sich zu meinem Glück weiter und schießt rückwärts an mir vorbei durch den Grünstreifen neben der Straße, um auf meiner Höhe mit dem Heckteil einen Hölzernen Strommasten wie mit einem Karateschlag zu kappen. Niemandem ist etwas passiert, der Fahrer und ich kommen mit einem Schrecken davon. Sein Laster ist im Heckbereich allerdings stark deformiert. In Lubok Antu‘s Umgebung besuche ich gemeinsam mit den befreundeten Iban, viele teils völlig entlegene Langhäuser in denen ich einige der Alten Krieger und Kopfjäger dieses Volkes und ihre ursprünglichen Tätowierungen dokumentieren kann. Der Abschied fällt schwer und als ich am 13.6. aufbreche um die Grenze nach Kalimantan, dem Indonesischen Teil von Borneo zu überqueren ist völlig ungewiss ob mir ein Übertritt an dieser Provinzgrenze die nicht einmal in Landkarten verzeichnet ist und nur der gelegentlichen Familienzusammenführung von durch die Staatsgrenzen geteilten Familien der Ureinwohner dient, gelingen wird. Ich hatte bei meinem Visumsantrag in Indonesischen Botschaft in Kota Kinabalu einen Monat zuvor einen anderen Ort als Grenzübertritt angegeben. Dort stand man mir einem Visumsantrag zunächst auch skeptisch gegenüber, da ich kein Ticket für einen Flug aus Indonesien vorweisen konnte und erst als ich Carnet und das dazugehörende Motorrad auf dem Botschaftsparkplatz präsentierte, erteilte man mir großzügig und unbürokratisch ein 60 Tage Visum für Indonesien. Die Auflage war allerdings die Grenze zu Indonesien am Hauptgrenzort Tebedu, etwa 200km östlich von wo ich nun war, zwischen Sarawak und der indonesischen Provinz West Kalimantan zu überqueren. Mein Plan hatte sich geändert. Ich wollte unbedingt den Ort Putussibau in West Kalimantan am mächtigen und längsten Fluss Borneos, dem Kapuas, besuchen. In Putussibau und Umgebung siedelten einige Kajan Stämme, deren Frauen für ihre Tätowierungen einst berühmt waren. Diese Chance eine dieser inzwischen sehr alten Frauen noch zu treffen, wollte ich nun, nachdem ich so nah dran war unbedingt wahrnehmen. Ein deutscher Entwicklungshelfer hatte mich nach Putussibau eingeladen und mir geraten die Grenze bei Lubok Antu zu überqueren, da Putussibau von dort „relativ“ einfach zu erreichen sei. Kalimantan ist bekannt für seine nicht vorhandenen Straßen und die Wege die durch diesen Teil Borneos führen verwandeln sich in Knietiefe unüberwindbare Schlammpisten nach den dort häufigen Regenfällen.

 

      Nach vier Stunden bestimmten, aber freundlichem Ringen mit den Indonesischen Zöllnern war ich schlussendlich der erste Ausländer mit eigenem Fahrzeug, der diese Grenze überquerte. Noch nie zuvor hatte man ein Carnet des Passages dort zu Gesicht bekommen. Bedingung war, man wollte mein gesamtes Gepäck in Augenschein nehmen. Dies geschah sicher mehr aus Neugier als zu Kontrollzwecken und der gesamte Grenzübertritt erzeugte auf beiden Seiten viel Gelächter. Die Zöllner waren stolz einen so weit gereisten Gast in Indonesien willkommen zu heißen und sie sagten mir zu, dass von nun an Grenzübertritte für Ausländer mit eigenem Fahrzeug von Lubok Antu, Malaysia nach Badau in Indonesien möglich seien. Bedingung ist, ein Visum vorab bei einem Indonesischen Konsulat zu erlangen. An der Grenzstation dort ist eine Erteilung eines Visums bei Ankunft nicht möglich. Für das Fahrzeug ist wie überall in Indonesien, ein Carnet des Passages erforderlich. Von dieser Grenze aus ist es möglich recht weit ins Zentrum Borneos zu gelangen, dem Östlichen Teil West Kalimantans im Quellgebiet des Kapuas Flusses.

      Während meiner Zeit in der Umgebung von Putussibau wurde mir abermals die besondere Gastfreundschaft vieler Menschen zuteil. Ich besuchte unzählige kleine Siedlungen, fand die tätowierten Frauen der Kajan und lernte viel über die interessante Arbeit des deutschen Entwicklungshelfers Charly, der den lokalen Bauern Alternativen zum ihnen Bekannten Brandrodungsbau aufzeigt. Dies geschieht zum Schutz des noch vorhandenen Regenwaldes und zur Erhaltung der Flächen, die im vergangenen Jahrhundert bereits im Zuge einer rücksichtslosen Holzgewinnung gerodet wurden und nun, dreißig Jahre später, wieder prächtig und erholt erscheinen. Die negativen globalen Folgen auf das Klima, eines Kahlschlags der ursprünglichen Regenwälder sind Weltweit bekannt und daher ist die Arbeit von Charly, der den Menschen vor Ort in geduldiger Arbeit die Vorteile verschiedener Anbaumethoden lehrt, sehr begrüßenswert. Meine Reise in Borneo endet nach einer Fahrt über Stock und Stein, bei der sich mein unzerstörbares Fahrwerk von Touratech abermals als unverzichtbar auszeichnet, in der direkt auf dem Äquator gelegenen Hafenstadt Pontianak an der Ostküste von Borneo. Von hier fahre ich mit einer Fähre in 48 Stunden gemeinsam mit meinem Motorrad nach Semarang auf die indonesische Insel Java. Diese Fährverbindung ist das Gegenteil einer Kreuzfahrt und ich bin erstaunt über die Gelassenheit und nicht endende Sanftmut meiner etwa 2500 Mitreisenden auf diesem Seelenverkäufer. Ich beobachtete wie ein Schiffsmechaniker noch vor dem Ablegen Flicken über die Flicken am Bug dieses stark vom Rost zerfressenden Schiffes schweißte. Sein Zahnloses Grinsen mit der Versicherung, dass die Maschine des Schiffes gut sei, beruhigte mich nicht wirklich. Sämtliche Flächen des Schiffes waren während der Überfahrt von Menschen belagert. Da es kurz nach der Abfahrt einen der üblichen Tropenschauer gab und sich alles unter überdachte Flächen flüchtete, schaffte ich es in der ersten Nacht nicht, einen Ort zu finden an dem ich die Beine zum Schlafen ausstrecken konnte. Ganze sechs Hocktoiletten für alle männlichen Reisenden auf dem gesamten Kahn, vergrößerten den Komfort nicht entscheidend. Zum Glück fand diese Schiffsreise von beinah 1000km mit Indonesiern statt. Ich denke in Europa wäre es nach wenigen Stunden zu einer Meuterei unter den unzufriedenen Passagieren gekommen.

Die Insel der Welt mit der höchsten Bevölkerungsdichte, Java empfing mich vollkommen anders als zuvor Borneo. In diesem überwiegend Muslimisch geprägtem Teil Indonesiens herrschte selbstverständlich eine wesentlich höhere Verkehrsdichte. Trotz des besonders in Städten schier unglaublichen Gewusels aus überwiegend kleinen Motorrädern, stellte sich der Verkehr auf Java niemals als aggressiv oder gefährlich da. Die Menschen nehmen lächelnd Rücksicht aufeinander und irgendwie schwimmt man mit in diesem herrlich bunten Chaos. Ein kompletten Stillstand und die Aggressivität die ich im vergangenen Jahr auf Indiens Straßen erlebte, gibt es in Indonesien nicht. Die Muslimische Bevölkerung Indonesiens präsentierte sich tolerant und es gibt ein friedliches Zusammenleben zwischen den anderen Glaubensrichtungen im Land, die hier zumeist Minderheiten sind. Ich besuchte Yogyakarta, bestaunte die Buddhistische Tempelanlage Brobodur in der Nähe der Stadt und verbrachte einige Tage in der von Landwirtschaft geprägten Gegend zwischen den Vulkanen Merapi und Merbau nördlich von Yogyakarta. In Terrassenartigen Feldern wird dort eine Vielzahl von Gemüsen und Früchten produziert. Diese in harter Arbeit entstandene Kulturlandschaft und die Menschen die sie bewirtschaften, boten mir ihre Erzeugnisse zum Kosten an, bei jeder Pause die ich einlegte, um die Pracht zu bewundern die sie dort schaffen. Die Anzahl der aktiven Vulkane Indonesiens scheint unendlich und ich besuchte während meines Aufenthalts auf Java die Vulkane Bromo und Seremu. Ich verbrachte nach einer rauen Geländetour mit dem Motorrad, eine Nacht bei Frost im höchsten Dorf Javas, Rawipini in über 2300m Höhe an der Flanke des höchsten Berges und ständig aktivem Vulkan Seremu mit 3700 m Höhe.

      Von den nach Nadelwäldern duftenden Höhen des Seremu ging es hinab durch Tropische Regenwälder bis an das Östliche Ende von Java, in den Ort Banyuwangi, von wo die Fähre auf die Insel Bali geht. Nach nur einer Stunde Überfahrt erreichte ich Bali. Diese wohl berühmteste Indonesische Insel faszinierte mit einer völlig anderen Kultur als Java zuvor. Die überwiegend Hinduistisch geprägten Menschen dort sind bekannt für ihre vollendete Kunst in vielen Bereichen. Der Kreativität seiner Bewohner begegnet man in Bali überall. Die Insel ist ein riesiges Museum für außergewöhnlich hochwertige, Malerei, Bildhauerei in Stein, Holz und Tempelbau. Ein Wehrmutstropfen…wegen seiner Bekannt und Beliebtheit ist Bali leider auch völlig überlaufen. Ich verbrachte nur wenige Tage dort überquerte die hohen Berge und Vulkane im Zentrum der Insel und suchte verzweifelt nach dem angeblich in Denpasar, der Hauptstadt Balis, vorhandenem Konsulat der Republik Ost Timor. Monate zuvor hatte ich bereits ein Visumsgesuch an die Online zu Verfügung stehende Visumsstelle von Osttimor gestellt. Fehlanzeige, ich erhielt trotz des genau nach ihren Vorgaben erstellten Antragsverfahren und wiederholter Versuche, nie Antwort. Alternativ könne man sich das erforderliche Visum für die Einreise auf dem Landweg in die Republik Osttimor in einer seiner Vertretungen in Indonesien beschaffen, war es dort blumig zu lesen …wie der in Denpasar! Ich suchte einen ganzen Tag, erst unter der vorgegeben Adresse und an vielen anderen Orten in der diese Vertretung anschließend anscheinend untergebracht war. Mit dem frustrierenden Ergebnis, dass es die Vertretung Osttimors in Bali schlicht und einfach nicht mehr gibt. Den Betreibern der Webseite der Visumsstelle der Republik Osttimor war es anscheinend nicht so wichtig darauf hinzuweisen, dass es diese Vertretung nicht mehr gibt, ebenso wie sie Visumsanträgen die Online an sie gerichtet werden, wie ich von Reisenden die dasselbe Drama bei der Beschaffung wie ich erlitten, konsequent keine Beachtung schenken. Erst wenn man bei der Vertretung Osttimors im eigenen Heimatland nachhakt, sei Bewegung in dieses Spiel zu bekommen erfuhr ich. Da sich die Schifffahrtsroute von Osttimor nach Nordaustralien zu Beginn 2015 obendrein dahingehend verändert hat, dass sämtliche Fracht nun über Singapur verschifft wird und so mitunter Wartezeiten von weit über einem Monat zustande kommen, bis man das eigene Motorrad im nur wenige hundert Kilometer von Osttimor entfernten Australien in Empfang nehmen kann, wurde mein ursprünglich gefasster Plan von Osttimor nach Australien zu reisen zunehmend unattraktiver. Ein Aufenthalt in Osttimor ist teuer, wesentlich teurer als in Indonesien. Die Rückkehr nach Indonesien allerdings von Osttimor aus auf dem Landweg ebenso verwehrt, weil kein neues Visum an der Landgrenze zwischen Ost Timor und Indonesien erhältlich ist. Die Visumsvergabe durch die Vertretung Indonesiens in Dili, der Hauptstadt Osttimors ist fest in der Hand korrupter Beamten und krimineller Banden die in Ost Timor ihr Unwesen treiben, Schmiergelder und lange Wartezeiten für ein neues Indonesienvisum völlig normal dort…Flüge von Dili in das nur eine Flugstunde entfernte Darwin in Nordaustralien unverschämt teuer…immer mehr Argumente nach Alternativen für den Weg nach Australien zu suchen. Denpasar war der letzte Ort mit einem Flughafen der international tätig ist auf meinem Weg nach Australien. Zusätzlich erreichte mich während meines Aufenthalts in Denpasar die Nachricht, dass mein Kumpel Dan Skeates, der Brite mit dem ich gemeinsam Teile Pakistans und Indiens durchquerte, auf der Route Dili-Darwin, inzwischen sechs Wochen auf sein Motorrad wartete. Ich entschloss mich mir Angebote für eine Luftfracht einzuholen. Nach etwas Kopfrechnen wurde mir schnell bewusst, dass die mir unterbreiteten Angebote zwar Selbstverständlich teurer waren als die angedachte Seefracht, wenn ich allerdings sämtliche Nebenkosten von sechs Wochen Warterei in Ost Timor mit einkalkulierte, war die Luftfracht von Bali nach Australien die bessere Alternative.

      Nun wurde meine Zeit knapp die noch einige verbleibende Inseln Indonesiens zu besuchen. Ich wollte unbedingt noch Lombok, Sumbawa und Flores besuchen und brach nach dem ich die Fracht nach Australien organisiert hatte auf. In Lombok versuchte ich mich mit dem Weißen Elefanten an einer unsäglichen Piste die auf den dortigen mächtigen Vulkan Rinjani führt. In dichten Wolken rät mir ein Einheimischer in 2500m Höhe zur Umkehr da die Piste wenig später noch erbärmlicher würde als sie eh schon war. In Sumbawa erlebte ich zur Zeit des Ramadan wieder zeitige Weckrufe der unzähligen Moscheen um vier Uhr in der Früh. Ich fand Traumstrände und einsame Buchten dievon Surfern aus aller Welt bevölkert waren, die die milden Wassertemperaturen und Traumhaften Wellen genossen. Ich wollte unbedingt Flores sehen bevor ich den Rückweg nach Bali zur Weiterreise nach Australien antreten musste. Im Hafen von Sape auf Sumbawa, sah ich die Fähre am Vorabend meiner geplanten achtstündigen Überfahrt nach Flores einlaufen. Die Menschen die von Flores kamen, waren fast alle grün im Gesicht und wirkten elend. Die Überfahrt musste rau gewesen sein, was meine Frage nach einer Fahrkarte für den kommenden Morgen bestätigte…keine Fähren nach Flores auf weiteres. Der Seegang zwischen Sumbawa und Flores sei einfach zu hoch. So kam es dass ich vier Tage gemeinsam mit unzähligen LKW Fahrern und Familien die zurück nach Flores wollten auf dem Parkplatz des Fährhafens ausharrte, bis die Fähren ihren Betrieb wieder aufnahmen. Ich erhielt unzählige Einladungen, denen ich in der kurzen Zeit die mir schlussendlich blieb um Flores zu besuchen, gar nicht komplett nachkommen konnte. In der Nacht vom 16. Auf den 17.Juli war es endlich soweit, ich konnte einen Platz auf einem der ersten Schiffe ergattern die den Fährbetrieb zwischen Inseln endlich wieder aufnahmen. Bei noch immer beachtlichem Seegang war es gut dass ich mein Motorrad anständig verzurrt hatte. Flores präsentierte sich abermals völlig anders als die zuvor besuchten Teile des riesigen Inselstaates Indonesien. Die Bevölkerung besteht zu über 90% aus Katholischen Christen und Kirchengeläut überwiegt deutlich dem Gebetsruf von Minaretten. Landschaftlich ist Flores die wohl üppigste Insel Indonesiens die ich auf dieser Reise besuchte. Satte grüne Tropische Wälder überziehen steile Gebirgszüge bis in über zweitausend Metern Höhe. Einige Vulkankegel ragen noch darüber hinaus. Die Straßen auf Flores sind das reinste Kurvenparadies. War mein Hinterreifen nach einigen geraden Streckenabschnitten auf Sumbawa etwas eckig, so wurde er bei 1500km die ich auf Flores zurücklegte, wieder wunderbar rund! Ich bewunderte die Dörfer des Ngada Volkes in der Umgebung von Bajawa. Diese Siedlungen um den Vulkan Inierie, liegen von der Zivilisation unbeeindruckt wie vor hunderten Jahren anscheinend unberührt, mit seinen Strohgedeckten Holzhäusern und immer noch Animistischen Ritualen praktizierenden Bewohnern, in angenehm kühler Bergluft mit spektakulärer Fernsicht. Die Pisten die zu manchen dieser Dörfer führten verlangten meinem Motorrad einiges ab. Eine elektrische Panne konnte ich mit einem lokalen Mechaniker schnell lokalisieren. Der Gleichrichter an meiner Africa Twin hatte den Dienst versagt und er zerstörte die Batterie in dem er sie mit üppigen 18V lud. Zum Glück hatte ich einen Ersatzgleichrichter in meiner Ersatzteilsammlung und die verschmorte Steckverbindung war schnell neu verlötet mit der Hilfe des versierten Indonesischen Mechanikers. Eine Chinesische Rollerbatterie, viel zu klein für den Elefanten verrichtet seither ohne Fehl und Tadel ihren Dienst. Ich besuchte die berühmten Kraterseen des Vulkans Kelimutu und schaffte es bis nach Maumere auf Flores. Dort war der für mich Östlichste Punkt meiner Reise durch Asien erreicht und ich kehrte um und bewegte mich fortan wieder Richtung Westen um den Termin für die Reise nach Australien nicht zu verpassen. Ich folgte der Nordküste von Flores, die sich teils als völlig Menschenleer präsentierte. Große Teile dieser Strecke entpuppten sich als sehr harte Piste, bei dem das Touratech Fahrwerk der Africa Twin abermals herausragende Arbeit leistete. Bevor ich Flores wieder in Richtung Sumbawa verließ, schaffte ich es noch einen Ausflug in den Kommodonationalpark vor der Küste zu machen und konnte dort die gewaltigen Kommodowarane bewundern. Auf der Fähre zurück nach Sumbawa, die diesmal bei schönstem Sonnenschein und ruhiger See fuhr, traf ich den ersten Europäer auf einer großen Reiseenduro seit dem Briten Lyndon in Laos im Februar, der wie ich zurzeit die Welt bereist. Der Dresdener Alex, unterwegs mit seiner BMW R1200GS nahm dieselbe Fähre. Alex von Australien kommend war über Darwin nach Osttimor gereist und auch er hatte nichts Gutes über die Reederei zu berichten die sein Motorrad transportiert hatte.

     Gemeinsam durchkreuzten wir Sumbawa von Ost nach West am folgenden Tag und genossen uns gegenseitig zu verfolgen…unsere Wege trennten sich bereits wieder am Nachmittag, Alex zog es nach Bali wo er seine Freundin treffen würde und ich verweilte noch ein paar Tage in einer Traumbucht bei Maluk auf Sumbawa, bevor es für mich zurückgeht in den Großstadtlärm von Denpasar auf Bali, wo ich am 3.8. damit beginne mein Motorrad akribisch zu reinigen um die 10 Tage später anstehende Quarantäneprüfung in Australien zu bestehen. Nach über einem Jahr schließt sich das Kapitel Asien auf meiner Weltreise. Indonesien war die große Überraschung bei meiner Durchquerung Asiens…Ein Land in dem 700! Sprachen gesprochen werden, erst vor 60 Jahren wurde „Bahsa Indonesia“ als Nationalsprache eingeführt und tatsächlich von den meisten Menschen verstanden und gesprochen! Die Ausmaße Indonesiens sind gigantisch, gern hätte ich mehr Zeit bei den großartigen Menschen und ihrer Facettenreichen Kultur und Natur, in dieser endlosen Inselwelt verbracht. In ganz Asien habe ich ausschließlich freundliche und Hilfsbereite Menschen kennenlernen dürfen, ich wurde nicht ein einziges Mal bestohlen. Bis auf den unmöglichen Verkehr in Indien und die dort manchmal völlige Distanzlosigkeit einiger Menschen, hat sich Asien als einfach zu bereisender Kontinent gezeigt. Es gab nie Ärger mit Behörden, die Gastfreundschaft der Menschen entlang meines Weges war unbeschreiblich und die kulturelle Vielfalt die mir begegnete riesig. Ich werde mich sicher gern an die hier erlebte Zeit zurückerinnern und hoffe manche dieser Orte noch einmal im Leben besuchen zu können.

     

      Ab Mitte August schlage ich ein neues Kapitel auf….Australien. Ich bin gespannt!

     

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Heiko Gantenberg