Südostasien

Seit Mitte Januar bin ich mittlerweile in Südostasien mit eher Gebremsten Tempo unterwegs. Nachdem ich mich direkt nach dem Erreichen Thailands, Mitte Januar zunächst in ein Krankenhaus in Bangkok begeben hatte um der Ursache der unsäglichen Schmerzen die mich zuvor auf meiner Reise durch Myanmar gequält hatten auf die Spur zu kommen, verbrachte ich einige Wochen in der Nähe des Touratech Stützpunktes im Osten Bangkoks. Die Fürsorge und nicht endende Gastfreundschaft die mir dort von Peera und seinem Team an Mitarbeitern wiederfuhr war unbeschreiblich. Ich hätte mir keinen besseren Ort auf der Welt wünschen können, um mich von den Folgen der operativen Entfernung einiger Nierensteine zu erholen. Kaum konnte ich mich wiederbewegen, nahm man mich mit und zeigte mir die Stadt bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Wir besuchten die Motorradtage die während meines ersten Aufenthalts in Bangkok groß stattfanden. Ich war erstaunt welche Motorräder in Asien verkauft werden…und davon anscheinend nicht wenige! Viele Große Hersteller haben in den vergangenen Jahren Produktionsstätten in Thailand eröffnet und beliefern einen sehr schnell wachsenden Markt. Ich hatte den großen Wunsch irgendetwas zurückzugeben für diese nicht endende Unterstützung des Touratech Teams in Bangkok und schlug vor, dass ich für die Kunden von Touratech in Bangkok einen Vortrag über meine bisherige Reise und meinen Weg von Deutschland nach Bangkok halten könne. Die Idee wurde prompt umgesetzt und Kurzerhand wurde daraus ein kleiner Travelevent. Mit großer Professionalität wurde dieses Ereignis von allen Mitarbeitern in Bangkok in Angriff genommen wurde. Vom Grafikdesigner bis zum Firmenchef arbeiteten alle an dieser Veranstaltung und zwei Wochen nach der Ankündigung, fanden sich einige hundert passionierte und interessierte Motorradfahrer, teils mit ihren Maschinen an der Asiatischen Touratechzentrale ein und bei leckerem Essen und kühlen Getränken und jeder Menge toller Motorräder verschiedenster Hersteller, präsentierte ich meinen bis dahin gefahrenen Weg auf großer Leinwand mit moderner Technik. Die beiden Schweizer Weltenbummler Anne und Patricius die wie ich zur Zeit dabei sind die Welt zu umrunden, hatten von der Veranstaltung Wind bekommen und da sie sich auch gerade in Thailand aufhielten, fuhren sie unerwartet mit ihren schwer beladenen BMWs aufs Gelände. Ich hatte Premiere vor großem Publikum von meinen Erlebnissen unterwegs zu berichten und der Tag wurde dokumentiert von Canan und Stefan von Motorradreise TV, die zu einem Kurzurlaub in Thailand eingetroffen waren. Die Wochen nach meiner OP vergingen wie im Flug und ich musste am Tag nach dem Travelevent aufbrechen, um die die Zeit die mir bei meiner Einreise einen Monat zuvor Visumsfrei in Thailand gewährt wurde, nicht zu überschreiten und brach gemeinsam mit Canan und Stefan in Richtung Laos auf. Auf dem Weg in den Norden Thailands besuchte ich mit den beiden für zwei Tage den Lam Nam Nan Nationalpark und wir staubten die Motorräder auf ausgedehnten Dschungelpisten anständig ein.

Im Krankenhaus in Bangkok hatte man mir versichert, dass ich trotz des Katheters den man mir für die kommenden zwei Monate in den Körper eingesetzt hatte, störungsfrei physischen Aktivitäten nachgehen könne…uneingeschränkt. Motorradfahren seihe damit gar kein Problem. Ich merkte nach den ersten tausend Kilometern auf zwei Rädern, dass dies leider nicht stimmt. Am Tag als ich aufbrach um rechtzeitig die Grenze nach Laos zu überqueren, machten sich die ersten Probleme bemerkbar und der Fremdkörper in mir, machte mir spürbar zu schaffen. Als ich am Abend nach weiteren 500km Vientiane die Hauptstadt von Laos am Ufer des Mekong erreichte, war ich froh schnell eine bezahlbare Unterkunft am Flussufer zu finden. Ich konnte noch das Gepäck aufs Zimmerschaffen, danach war es mit Motorradfahren für mich leider erst einmal wieder vorbei und es folgte ein neuer Abschnitt meiner Reise, den ich erst einmal lernen musste. Mich in Geduld üben. Nach schmerzhaften Tagen mit Bettruhe und nur kurzen Spaziergängen in der Umgebung meiner Unterkunft, schaffte ich es mir bei der Thailändischen Botschaft ein Sechzig Tages Visum zu ergattern, so dass ich theoretisch wieder die Möglichkeit hatte, bei nicht Besserung meines Gesundheitszustandes schnellst möglichst in die Klinik nach Bangkok zurückzukehren. In Laos gab es, wie ich nach der Grenzüberquerung Tage zuvor schon vermutet hatte, wenige Möglichkeiten einer modernen medizinischen Versorgung. Ähnlich wie beim Nachbarn, der Militärdiktatur Myanmar, gab es in der Kommunistischen Republik Laos, kaum Mediziner die das Land nicht verlassen, um beim wohlhabenden und wesentlich demokratischer organisiertem Nachbarn Thailand das Glück  zu suchen. Laos ist wirtschaftlich ein Gegensatz zu Thailand, die Infrastruktur beider Länder trennen Welten. Ich genoss das etwas ursprünglichere Leben in Vientiane und versuchte die teils sehr exotische Küche, in der auch Insekten auf dem Speiseplan stehen. In Vientiane traf ich den Australier Harley Greaves der auf seiner Suzuki DR650, ausgestattet mit zwei Surfbrettern in entgegengesetzter Richtung wie ich unterwegs war. Er reiste von Indonesien kommend, über Myanmar nach Indien und wird von dort versuchen weiter nach Europa zu fahren. Nachdem ich mich wieder Reisefähig fühlte fuhren wir gemeinsam weiter über Luang Prabang nach Nong Khiaw im Norden von Laos. Nong Khiaw entpuppte sich als ein wenig frequentierter, traumhaft gelegener Ort am Ufer des Nam Ou Flusses. Luang Prabang, ein Zentrum Laotischer Kultur war zwar wunderschön, allerdings ist es seit der Öffnung Chinas völlig überlaufen von Horden an Touristen. Dies führt dazu, dass der Aufenthalt in diesem Geschichtsträchtigen Ort inzwischen unbezahlbar ist.

In Nong Khiaw musste ich abermals Gesundheitsbedingt eine längere Pause einlegen. Harley fuhr weiter Richtung Nordthailand und ich lernte den nächsten Überlandreisenden kennen, den Briten Lyndon Poskitt der auf seiner selbstgebauten KTM Rally 690 die Welt umrundet. Lyndon, Dakar Finisher von 2013 nimmt mit derselben Maschine die er zur Weltreise nutzt, an Internationalen Rennen teil, die er unterwegs findet, zB der Rally Mongolia im vergangenen Jahr. Er hing in Nong Khiaw ähnlich fest wie ich, nur war es bei ihm die Gesundheit seines Motorrades die ihn aufhielt. Lichtmaschinenprobleme zwangen ihn zur Ersatzteilbeschaffung aus der Heimat und so kam es, dass wir viel Zeit miteinander verbrachten und uns über unsere bisher völlig verschiedenen Reiseverläufe austauschten. Lyndon legte den größten Teil seiner gefahrenen Strecke abseits befestigter Straßen zurück und ist ein ausgemachter Experte in Offroad Navigation und Fahrtechnik. Gemeinsam erweckten wir sein Rennpferd nach der Ersatzteillieferung wieder zum Leben und er lud mich ein, mit meinem „Weißen Elefanten“, wie er mein Motorrad liebevoll getauft hatte, gemeinsam auf Dschungelpfaden entlang der Chinesischen Grenze bis zum Goldenen Dreieck an der Grenze von Myanmar, Thailand und Laos zu reisen. Was folgte war eine Lehrstunde für mich. An einem Tag bewältigte ich mehr Flussdurchfahrten als auf meiner gesamten bisherigen Reise. Ich hörte auf zu zählen wie oft mein Motorrad zu Boden ging. Weit nach Anbruch der Dunkelheit erreichten wir unser Tagesziel und ich war erschlagen wie nie zuvor auf dieser Reise. Ein wenig stolz war ich über das Kompliment dieses fahrerischen Asses, der mir und dem schwer beladenem Elefanten Respekt zollte, ihm über teils unsägliche Pisten an diesem Tag gefolgt zu sein. Ich hätte es vor diesem Fahrtraining mit diesem Profi nicht für möglich gehalten, dass meine Alte Africa Twin solche Hürden wie ich an diesem Tag überwand, überhaupt nehmen kann. Lyndons Einladung zu einem weiteren Tag im Grünen abseits der Straße am kommenden Morgen, lehnte ich ab und zog es vor ihn am Abend am vereinbarten Ort an der Thailändischen Grenze zu treffen.

 

In der ersten März Woche überquerte ich gemeinsam mit Lyndon die Grenze von Laos kommend nach Thailand und unsere Wege trennten sich wieder. Er reiste weiter nach Chiang Mai um sein Motorrad einer gründlichen Revision zu unterziehen, bevor es für ihn weiter nach Malaysia ging. Für mich ging es zurück nach Bangkok, der Termin zur Entfernung der verbliebenen Teile meiner Operation im Januar stand an. Der Eingriff Mitte März in Bangkok bringt nicht das gewünschte Ergebnis, so dass ich weiter in der Umgebung von Bangkok bleibe und insgesamt noch drei weitere Termine wahrnehmen muss, bevor ich Mitte April endlich die Freigabe von meinem behandelndem Chirurgen bekomme, Nierensteinfrei meine Reise fortsetzen zu können. Zwischen den Terminen in der Klinik in Bangkok gelingt es mir immerhin einige Orte in Thailand zu besuchen und manchen Traum Sonnenunter und Aufgang an nicht weniger Traumhaften Stränden zu erleben. Die ausgesprochene Sanftheit der Menschen in Laos und Thailand, die gute Küche und tolle Unterkünfte, teils unfassbar schön gelegen zu unglaublich günstigen Preisen, tun ihr übriges den Aufenthalt zu versüßen. Die Temperaturen sind nun im April hier in Südostasien deutlich höher als bei meiner Ankunft im Januar und der Stadtverkehr auf dem Motorrad wird zur Qual. Wegen Querelen mit den Temporären Einfuhrpapieren kämpfe ich mich mehrmals durch die tropische Hitze Bangkoks zum Zoll und Einwanderungsbehörde…kein Vergnügen. Mitte April überquere ich die Grenze nach Malaysia und befinde mich seither in einem Land mit sehr verschiedenen Bewohnern. Die Menschen sind etwa zur Hälfte Muslimisch, ein weiterer Teil ist Chinesischer Abstammung und viele hier lebende Menschen stammen aus Indien. Viele Stadtteile in großen Metropolen muten rein Chinesisch an, es gibt kaum Merkmale anderer Kultur. Sprache, Essen, Werbetafeln, kleine Tempel zwischen den Wohnhäusern, alles ist geprägt von Einwanderern aus China, deren Wurzeln hier in Malaysia teils 2000 Jahre zurückreichen. Andere Stadtteile und vor allem alle Bereiche der Verwaltung und Regierung sind seit über fünfzig Jahren in Muslimischer Hand und Malaysia präsentiert sich offiziell auch als Muslimisches Land. Das dies mit der Realität nicht einhergeht ist vielerorts spürbar und es gibt schwelende Konflikte ob der Ungleichbehandlung vieler Bewohner des Landes. Ich habe seit meiner Ankunft in Malaysia versucht verschiedene Wege meiner Weiterreise nach Indonesien zu ergründen. Von nun an ist mein Weg über Land zu Ende. Seit meinem Aufbruch in Deutschland vor fast einem Jahr konnte ich die bisher zurückgelegte Strecke von nahezu 40.000km bis auf die Verschiffung von 20km Abottabadsee am Karakorum Highway in Pakistan, ohne andere Verkehrsmittel zurücklegen. Von nun an bin ich angewiesen Fährschiffe oder eventuell sogar Flugzeuge in Anspruch zu nehmen, um mich und den Weißen Elefanten in der Inselwelt Indonesiens übers Wasser zu bringen. In der vergangenen Woche habe ich mit dem Flugzeug ohne Motorrad eine Stippvisite auf die drittgrößte Insel der Welt, Borneo gemacht. Da auf Borneo viele der Ureinwohner der Dayak Völker traditionell tätowiert sind, war es mir ein großes Bedürfnis dort vorbeizuschauen.

Ich besuchte ein Traditionelles Langhaus im Dschungel und lebte einige Tage mit dreizehn Familien vom Stamm der Iban. Ich traf dort auf alte Kopfjäger der Iban, die noch reich mit indigener Hautkunst verziert waren. Während meines Aufenthalts dort gelang es mir auch einige Tätowierungen für die Bewohner anzufertigen. Borneo ist zu großen Teilen sehr ursprünglich und ein Straßennetz, vor allem im Indonesischen Teil der Insel sehr rudimentär. Fast alle Motorradreisenden die von Malaysia nach Indonesien reisen, benutzen eine Verbindung auf einem Gemüsefrachter zwischen der malaysischen Insel Penang und der Stadt Medan auf der indonesischen Insel Sumatra um ihr Motorrad zu verschiffen. Ich werde etwas anderes versuchen…von Kuala Lumpur aus, habe ich eine Möglichkeit gefunden, den Weißen Elefanten für dieselben Kosten die für die Verschiffung zwischen Penang und Medan entstehen, nach Kota Kinabalu in der Malaysischen Provinz Saba in den Nordosten Borneos zu fliegen. Von dort werde ich den Nordosten Borneos erkunden und anschließend über Brunei und Sarawak weiter auf den Indonesischen Teil von Borneo, genannt Kalimantan reisen. Von der auf dem Äquator gelegenen Stadt Pontaniak werde ich wenn alles klappt ein Fährschiff bekommen, dass mich und das Motorrad im Juni in einer dreitägigen Seefahrt auf die indonesische Insel Java bringen wird. In Borneo erwarten mich tägliche Tropengewitter mitheftigen Regenfällen, Spatzengroße Insekten, Blutegel und mörderische Temperaturen…allerdings auch teils ursprüngliche Landschaft und deren Indigene Bewohner. Ich freu mich darauf…Notch die Welt!   

 

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Heiko Gantenberg