Roter Kontinent!

Drei Monate auf dem roten Kontinent 23.8.2015 bis 17.11.2015

Start in Perth an der Westküste

Meine Reise durch Australien begann im äußersten Westen des riesigen Landes, in Perth. Die akribische Arbeit bei der Reinigung des weißen Elefanten, für die Quarantäne Inspektion, der jedem Fahrzeug oder Gegenstand der nach Australien gebracht wird, angedeiht, wurde nicht auf die Probe gestellt. Der zuständige Beamte der Landwirtschaftsbehörde, mit dem ich gemeinsam die Inspektion am Motorrad unternahm, war mehr daran interessiert mit mir über meine Reise zu plaudern,  als mein Motorrad ausführlich unter die Lupe zu nehmen.  Eine Seite der Frachtkiste, die ich die Woche zuvor auf Bali gezimmert hatte, war zur Kontrolle nur geöffnet. Ein Blick, große Verwunderung über das Alter des Motorrades, Kontrolle beendet und ein nettes Gespräch bei dem diverse Dokumente ausgefüllt wurden, folgte.

Eine befreundete Familie aus Neuseeland, die vor acht Jahren nach Perth übergesiedelt war sorgte für meine Rundumversorgung während meiner Zeit in Perth. Ein Kleinlaster wurde organisiert und die Frachtkiste kurzerhand vom Flughafen vor die eigene Garage gebracht, wo ich sie in Ruhe zerlegen und den weißen Elefanten wieder zusammensetzen konnte. Einige Teile, die ich in Indonesien nicht bekommen konnte, hatte ich in den Tagen während ich auf meine Luftfrachtkiste aus Bali wartete, bereits in der Riesenstadt Perth, organisieren können. So hatte ich alles zusammen um das Motorradfür Herausforderungen der kommenden Wochen vorzubereiten. Ich wollte nach ein paar Tagen am Meer in Westaustralien,  unbedingt eine der großen unbefestigten Strecken die durch die Wüsten Zentralaustraliens führen, unter die Räder nehmen.    

 Da die Heidenau Reifen, die ich in Bangkok aufgezogen hatte, immer noch für einige Tausend Kilometer gut waren, hatte ich mir in Perth einen frischen Satz beschafft und fuhr die ersten dreitausend Kilometer meiner Reise durch Australien mit den Ersatzreifen oben auf das Gepäckbündel aufgeschnallt. Die nun vor mir liegenden Entfernungen waren gewaltig und ich wollte versuchen mit dem frisch erworbenen Satz Reifen soweit wie möglich zu kommen. Etwas hatte sich gewaltig verändert seit meiner Ankunft in Australien…es war kalt! Richtig kalt! Über ein Jahr war ich überwiegend in warmen bis heißen Gegenden unterwegs…nun war ich im endenden Winter Australiens gelandet. Nachts waren die Temperaturen plötzlich einstellig und auch am Tag kamen sie in den ersten Wochen meines Aufenthalts im Südlichen Teils Westaustraliens selten über die 15° Marke…eine völlig neue Erfahrung für mich. Die Tasche die meine Kleidung enthält, war plötzlich ziemlich leer und ich deutlich wärmer angezogen als in den Monaten zuvor. Ich folgte zunächst der Westküste bis zum Süd Westlichen Ende Australiens am Cape Leeuwin. Bereits dort fand ich Menschenleere Strände und traumhafte Buchten in denen die riesigen Wellen des Indischen Ozeans im feinen weißen Sand oder auf Roten und Braunen Granitfelsen, brachen. Bis auf einige Rentner die in teils riesigen Wohnwagengespannen auf manch Jahrelangen Reisen durch Australien ziehen, waren die Campingplätze in vielen Nationalparks nur spärlich belegt. Diese Art der Unterbringung entsprach am ehesten meinem Reisebudget. Selbst ein Platz im Etagenbett im Zimmer eines Hostels, das man sich mit sechs Menschen teilt, kostet in Australien noch Rund 25,-Euro. Im Vergleich zu Übernachtungspreisen in Asien eine Unsumme.  Die meist mit einfachen Duschen undToiletten ausgestatteten Campingplätze der Nationalparks, bieten die einzig bezahlbare Alternative für Langzeitreisende in Australien. Dort ist man im Schnitt mit sieben bis zehn Euro die Nacht dabei. Australien bietet vielerorts zusätzlich Möglichkeiten zum Wildcampen! Einige kräftige Regenschauer begleiten meine Fahrt in den ersten Wochen und mir wird nach wenigen Tagen bewusst, dass die Entfernungen in dem kleinen Klappatlas den ich nutze um mich orientieren, gewaltiger sind, als sie auf dem Papier erscheinen…Ich gewöhne mir an ab 16.00 mein Lager für die Nacht aufzuschlagen. die ohne Mobilfunkverbindung funktionierende App Wiki Camps war mir eine Riesenhilfe geeignete Zeltplätze zu finden. Ab 18.30 ist es im Südlichen Australien im September stockdunkel. Die letzte Stunde der Dämmerung sollte man dringend davon absehen mit dem Motorrad unterwegs zu sein. Zu dieser Zeit ist die Gefahr einer Kollision mit Kängurus am höchsten. Zahllose Kängurukadaver auf Australiens Straßen, zeugen davon. Ihre tödlichen Gegner sind Fahrzeuge, meist mit Stoßfängern ausgestattet, die niemals den Deutschen TÜV Segen bekommen würden. Bevor ich meine Reise ins Landesinnere beginne, verbringe ich einige Tage in der faszinierenden Landschaft aus Felsen und Sandbuchten im Cape Le Grande Nationalpark, in der Nähe von Esperance. Kängurus springen in Scharen zum Sonnenuntergang über den Strand, Wale ziehen vor der Küste entlang und im Morgengrauen weckt der Gesang nie zuvor gehörter Vögel. Ich genieße nach der oft herrschenden Enge in Asien, die Möglichkeit in der freien Natur zu leben, ohne von einer Schar Neugieriger bestaunt zu werden, wenn ich morgens aus dem Zelt steige . Die von mir gewählte Reisezeit scheint für diesen Teil Australiens zunächst etwas zu früh, doch schnell merke ich dass die Zahl plagender Insekten, Horden von Touristen zu dieser vielleicht noch etwas kühlen und windigen Jahreszeit, zum Glück des Reisenden noch sehr gering sind. Ich treffe einige interessante Rentner in ihren riesigen mobilen Wohnanlagen auf Campingplätzen und staune über was sie alles herauszaubern aus ihren teils Pistentauglichen Gespannen, die aus einem Imposanten Geländewagen mit nicht minder beeindruckenden Anhängern bestehen. Riesige Markisen und Klimbim wird aufgefahren… ich belege mit meiner Ausstattung und Fahrzeug oft nur ein Zehntel der bezahlten Parzelle!

Vieles in Australien erinnert an Nordamerika…die Distanzen, die Dimensionen mancher Fahrzeuge, wobei die LKWs hier nochmal um einiges Gigantischer sind. Es gibt das ungesunde Fastfood an der Landstraße, und die der Sonne hinterherziehenden Rentner.

Die Wüste ruft, der Weg durch die Mitte…  

Vom südlichen Westaustralien aus wählt der Reisende für gewöhnlich den Weg entlang der „Nullabor“, einer schnurgeraden Straße die entlang der Küste verläuft, um in Richtung Osten zu gelangen. Ich entschließe mich den Weg durch die Mitte zum großen Roten Felsen „Uluru“ in der Mitte von Australien zu wählen. Von Esperance fahre ich etwa 600km in Richtung Norden. Auf meinem Weg liegt Kalgoorlie eine Goldgräberstadt, berühmt für seine offene Mine, genannt „Superpit“. Ich werfe einen Blick in dieses gigantische Loch, das inzwischen rund 900m Tiefe erreicht hat und beobachte riesige Schwerlast LKW, wie sie im Schneckentempo den Spiralförmigen Weg aus der Tiefe emporklettern. Es ist schwer vorstellbar, dass die paar Kilo Gold die in dieser Mine jährlich gewonnen werden, den Aufwand und die Ökologischen Folgen, rechtfertigen. In Kalgoorlie, der letzten Stadt mit richtiger Infrastruktur, beschaffe ich mir die erforderlichen Durchfahrtgenehmigungen bei den Aborigine Behörden von Cosmo undKalkutajara für die Durchquerung ihres Landes. Die Great Central Road, die mich durch die große Victoria Wüste führt, durchquert Stammeslandund eine Durchfahrt ist nur nach erteilter Genehmigung erlaubt. In Kalgoorlie treffe ich durch Zufall John, der eine der wenigen Africa Twins besitzt die in Australien zu finden sind. Gemeinsam mit ihm und auf sein Anraten, wechsele ich auf die frischen Reifen, bevor ich ab Laverton auf 1200km Piste treffe, die mich einige Tage später erschöpft am Uluru, sehr staubig wieder freigibt. Unzählige verrostete Autowracks entlang der Strecke, zeugen davon das dies hier kein Spaziergang ist. Bereits am ersten Tag auf der Great Central Road habe ich im tiefen feinen Sand einen Sturz, bei dem ich mir Knie und Knöchel verletze. Die folgenden Tage kämpfe ich mit den Folgen und ich bin froh in der Mitte dieser Piste die den Kontinent durchquert, Peter aus Geraldton auf seiner V Strom zu treffen. Die Great Central Road ist einsam, sehr einsam! Am ersten Tag begegnen mir drei Fahrzeuge auf 500km. Die Temperaturen sind Mitte September angenehm Mild in dieser Wüste. Viele Pflanzen blühen nach den wenigen Regenfällen die hier vor einigen Wochen gefallen sind. Die Strecke ist teils in einem erbärmlichen Zustand, die Gefahr zu stürzen recht hoch, so dass es sicher sinnvoller ist, hier nicht alleine unterwegs zu sein. Peter den ich in Warburton treffe, ist wie ich heilfroh, nicht mehr alleine unterwegs zu sein. Auch er hatte die Risiken dieser Strecke unterschätzt. An den drei Rastplätzen der GCR, in Tjukayirla, Warburton und Waracuna, gibt es nur geruchsfreies „Opal“ Benzin. Die angrenzenden Aborigine Gemeinden leiden unter großen Drogenproblemen ihrer jungen Bewohner. Alles was irgendwie berauscht wird konsumiert, leider wird auch Benzin zum Schnüffeln missbraucht… Das Opal Benzin, völlig geruchsfrei wird schlägt mit doppeltem Preis im Vergleich zu seinem riechenden Ponton, zu Buche. Alles dort draußen ist um ein vielfaches teurer als es in Australien eh schon ist. Die Ureinwohner sieht man an diesen „Roadhouses“ meist nur morgens in der ersten halben Stunde nach Öffnung. Sie kaufen Zigaretten und ein paar Lebensmittel und dann sind sie wieder verschwunden in der Weite der Wüste. Sie sind sehr schüchtern und es gelingt mir leider nicht, einen Kontakt zu ihnen aufzubauen während der kurzen Zeit, den ich auf ihrem Land verbringe.

Die Landschaft der großen Victoriawüste ist überwiegend flach und trotzdem abwechslungsreich, ihre Weite unbeschreiblich. Die Vegetation, meist gedrungen und in Form von Büschen, kann lange Trockenzeiten überleben. Einzelne Abschnitte sind mit Bäumen bewachsen, die jetzt im Frühjahr sogar üppig grünes Laub tragen. Wilde Kamelherden ziehen durch die Wüste, sie sind Überbleibsel ehemaliger Afghanischer Goldsucher die sie als Lasttiere benutzten. Kängurus sind am besten in den Abendstunden und im Morgengrauen zu bestaunen und Rudel von Dingos bieten heulende Unterhaltung und suchen nachts nach jedem Krümel essbaren in der Umgebung des Zeltes.

Die Warnungen im Westaustralischen Teil der GCR, dass sich der Zustand der in diesem Jahr eh nicht gut gepflegten Piste, sich bei Überquerung in die Provinz „Northern Territory“ nochmal erheblich verschlechtern sollte, bewahrheitete sich in vollem Umfang. Was vorher noch „Waschbrettpiste“ war, die mit etwas höherer Geschwindigkeit vom unverwüstlichen Touratech Fahrwerk meines Motorrades, ausgebügelt werden konnte, war nun nur noch kriechend zu überwinden. Sintflutartige Regenfälle hatten einige Wochen zuvor hier einiges des roten Staubes in alle Richtungen gespült, was zuvor noch einigermaßen geschottert war, war fortan nur noch tiefer roter Sand, der hier „Bulldust genannt wird. Ich habe aufgehört zu zählen wie oft ich auf der Seite lag auf den letzten 60km bevor die GCR uns an den „Katatjuta Felsen“ am Lasseter Highway, auf den Asphalt entließ. In der untergehenden Sonne erreichten wir Uluru, auch Ayers Rock genannt. Ein wunderschönes Schauspiel für das sich die Plackerei der Tage zuvor gelohnt hatte. An Peters V-Strom zeigten sich die ersten Ermüdungserscheinungen nach über 1000km Piste, er zog nach Norden um in Alice Springs die undichten Simmer Ringe seiner Gabel zu ersetzen. Wir verabredeten uns für einige Tage später etwa 700km südlich, in Marla am Stuart Highway, um eine weitere große Piste des Australischen Outbacks gemeinsam unter die Räder zu nehmen.

Über den Oodnadatta Track und Flinders Ranges bis nach Adelaide… 

 Gemeinsam mit Peter nahm ich von Marla bis nach Marree in der Provinz Südaustralien den Oodnadatta Track unter die Räder. Der Unterschied zur GCR war, dass die Strecke in einem besseren Zustand war und mir und dem Weißen Elefanten, mit dem groben geschotterten Untergrund sehr lag und wir teils Reisegeschwindigkeiten jenseits der 100kmh erreichten. Der V-Strom und Peter schmeckte diese Piste nicht, so dass ich einige Mal am Tag am Pistenrand mit meinem Fliegennetz über dem Kopf auf ihn wartete. Eine Besonderheit draußen im Outback sind unzählige Fliegen die einem umgehend in Nase, Mund und Ohren krabbeln, in dem Moment wo man den Helm abnimmt. Ohne dieses Netz über dem Kopf wäre ein Leben hier draußen für mich kaum möglich. Im Roadhouse von William Creek versichert man mir, dass diese Fliegenplage jetzt im September noch „erträglich“ seihe, in wenigen Wochen, wenn die Hitze richtig losgehe, dann sei es wirklich schlimm! Die Piste führt am riesigen Salzsee „Lake Eyre“ entlang, der sich nur alle paar Jahre kurz mit Wasser füllt und dann zum Brutgebiet unzähliger Vögel wird.

Einige Tage später trennen sich unsere Wege in den Flinders Bergen. Peter und ich sind uns einig, dass es gut war diese beiden Wüstenpisten nicht alleine gefahren zu sein und für ihn geht es in den kommenden Tagen über die Nullabor zurück nach Westaustralien.

Ich verbringe einige Tage in den Flinders Bergen, landschaftlich eine gelungenen Abwechslung nach der überwiegend flachen Gegenden in denen ich zuletzt unterwegs war. Ich genieße geschotterte, kurvige Strecken und erforsche bald jedes Tal dieser Mittelgebirgskette. Die Saison hat auch hier offensichtlich noch nicht wirklich begonnen. Ich verbringe manche Nacht auf wunderschönenNaturcampingplätzen, als einziger Gast. An meinem letzten Tag in den Flinders Bergen treffe ich die Australische Touratech Mitarbeiterin Eveline, die gemeinsam mit ihren Freunden Fiona und Josephine unterwegs ist. Alle drei fahren BMW F800GS.                           

Nach drei Wochen im Australischen Outback und Leben im Zelt freue ich mich auf heißes Wasser und ein richtiges Bett. Auf meinem Weg durch Nagaland in Indien im Dezember, hatte ichJules und Emmet aus Adelaide kennengelernt, die mich zu sich nach Hause einluden. Neun Monate später folgte ich dieser Einladung nun. Das Haus der beiden, ein denkmalgeschütztes Gebäude im Historischen Kern von Adelaide entpuppte sich als urgemütlich und die Gastfreundschaft der beiden war großartig. Adelaide, die Provinzhauptstadt von Südaustralien, ist von der Größe her überschaubar und ist durchzogen von schönen Parks und historischen Gebäuden. Zusammen mit dem kühlen Klima des hier gerade beginnenden Frühlings, mutet diese Stadt sehr Englisch an. Eine Woche in Adelaide verging wie im Flug. Auf dem Weg entlang der Südküste treffe ich noch die südlich von Adelaide lebende Amerikanerin Sheri, die als erster Mensch die Welt auf einer KTM 690 umrundete. Wir fahren einige Kilometer gemeinsam und sie lädt mich auf ein Mittagessen in der Deutschen Kommune Hahndorf ein, die überwiegend von Japanischen Touristen besucht wird, die sich dort mit zünftiger Volksmusik, an riesigen Schweinshaxen mit Sauerkraut versuchen.

Great Ocean Road, Sea Shepherd in Melbourne und Touratech Australien…

Meine Reise führt weiter entlang der Südküste Australiens. Die Great Ocean Road in der Provinz Victoria mein nächstes Ziel, präsentiert sich mir überwiegend mit kalten Temperaturen und Regen. Heerscharen von Touristen tragen nicht zu einem besseren Eindruck bei. Am Cape Otway kann ich Koala Bären beobachten wie sie gemütlich kauend auf Eukalyptusbäumen ihr Leben verbringen. Was ich nachts für Wildschweine halte, entpuppt sich als Rivalisierende Koala Männchen. Nie hätte ich es für mögliche gehalten, dass aus so kleinen grauen Fellkugeln, so gewaltige Geräusche hervordringen könnten! Der Straßenverlauf der Great Ocean Road, ist insgesamt weniger spektakulär als ich mir vorgestellt hatte. Die Aussichtspunkte von denen man aus den überwiegend aus Steilküste bestehenden Küstenverlauf beobachten kann, trotz des miesen Wetters völlig überlaufen. Nach zwei Tagen auf dieser „Traumstraße“ habe ich genug gesehen und fahre weiter bis nach Williamstown, dem Hafen Melbourne. Dort liegt seit einigen Monaten die Steve Irwin, ein Schiff der Sea Shepherd Gesellschaft das sich einen Namen bei der Verhinderung von Illegalen Walfängen in der Antarktis, machte. Ein Mitglied der Crew der Sea Shepherd, hatte mich zur Besichtigung des Schiffes eingeladen, das zurzeit im Hafen von Melbourne generalüberholt wird und in Kürze wieder in See stechen wird um mit weiteren Kampagnen gegen die Bedrohung und Zerstörung der Ozeane Aufmerksamkeit erregen wird. Ein Blick hinter die Kulissen dieses Schiffes war sehr interessant und ich war tief beeindruckt von der Leistung der allesamt ehrenamtlichen Mitarbeiter die ausschließlich von Lebensmittelspenden einiger Unternehmen und der Bevölkerung Melbournes lebt. Die Arbeit zur Instandhaltung dieses Stahlschiffes ist kein Zuckerschlecken und ein jeder der auf diesem Schiff lebt hat eine sechs Tage Woche. Sonntags steht man Besuchern des Schiffes geduldig Rede und Antwort, so dass für Freizeit keinerlei Zeit bleibt. Das alles ohne jegliche Bezahlung! Der Liegeplatz der Steve Irwin, genau gegenüber der Skyline der zweitgrößten Stadt Australiens ist einmalig schön und nach einem gemeinsamen Abendessen mit der Crew, genieße ich den Ausblick auf die funkelnden Lichter der Großstadt. Mein nächster Halt ist das Hauptquartier von Touratech in Australien in Carboor am Fuße der Australischen Alpen. Hier einige hundert Kilometer im Landesinneren sind die Temperaturen wieder deutlich wärmer und das Wetter trockener als an der Küste. Ich treffe Eveline wieder und Robin, der Chef von Touratech Australien stellt mir seine gut ausgestattete Werkstatt zur Verfügung um einige Arbeiten an meinem Motorrad durchführen zu können. Die rauen Bedingungen und die endlosen Kilometer Australiens forderten ihren Tribut und ich bin froh in einer Werkstatt arbeiten zu können in der es an nichts fehlt. Gemeinsam mit Eveline und einigen ihrer Freunde aus Sydney fahre ich noch zwei Tage durch die Australischen Alpen auf deren höchsten Gipfeln noch ein wenig Schnee zu sehen ist. Für mich der erste Schnee seit dem Himalaya.

Mir bleibt noch ungefähr ein Monat in Australien. Das reisen hier ist teuer und die Distanzen riesig, so dass ich einsehen muss, keine allzu großen Sprünge mehr in diesem Land machen zu können. Gern wäre ich noch bis an die Nordküste dieses Kontinents gefahren…nächstes Mal! Ich entschließe mich in den Norden der Provinz Neu Süd Wales zu fahren. Dort wohnen einige Freunde bei denen ich unterkommen kann.

Durch die „Great Dividing Range“ bis an die Grenze von „Queensland“…   

Auf meinem 1500km langen Weg von Carboor in Victoria nach Murwillumbah im Norden von Neu Süd Wales folge ich den Bergen der Great Dividing Range. Teils auf Asphalt, manches Mal auf Schotter, geht es durch abwechslungsreiche Landschaften. Die Temperaturen steigen je weiter ich nach Norden fahre. Die flachen Gegenden zwischen den Bergen sind überwiegend Landwirtschaftlich geprägt, teils reichen gelb blühende Rapsfelder bis zum Horizont. Ich durchquere ein Skigebiet in den Snowy Mountains, dessen Liftanlagen und Skihütten deutlich machen, dass hier vor kurzem noch Wintersportsaison war. Einige Tage nachdem ich Carboor verlassen habe treffe ich in Murwillumbah meinen Tätowierkollegen Rady. Er lebt in einem wunderschön gelegenen Haus am Ende eines grünen Tales. Die Landschaft in dieser Region Australiens ist geprägt von üppigen Regenwäldern, wie ich sie von Teilen Neuseelands kenne. Das Umland von Murwillumbah und die kleinen Gemeinden in den Bergen um diese Kleinstadt erinnerte mich sehr an Nordkalifornien. Die Bewohner sind alternativer und die Menschen hier betrachten manche Gegebenheiten und politische Entscheidungen kritischer, als die meisten Australier. Ich genieße tolle Tagestouren durch die endlosen Kurven des Border Ranges Nationalparks. Es macht Spaß das Motorrad auch mal ohne Gepäck zu bewegen. Tätowierungen mache ich während meiner Pause im grünen Paradies nur wenige. Die Regulierung des Tätowierens in Australien ist streng. Arbeitsgenehmigungen für meinen Beruf werden nur nach eingehenden Erkennungsdienstlicher Maßnahmen erteilt. Die Behörden sehen einen Zusammenhang zwischen Organisierter Kriminalität und Tätowierungen. Meine Bekannten riskieren ihrer Lizenzen wenn sie mich in ihren Studios arbeiten lassen. Außer ein paar Gastgeschenken auf Menschen bei denen ich wohne und einigen Seiten in meinem Skizzenbuch, genieße ich eine faule Zeit mit interessanten Leuten. 

 Entlang der Ostküste nach Sydney…

Die Zeit verging wie im Flug für mich auf dem roten Kontinent, so dass ich am 7.November schon wieder aufbrach um die Vorbereitungen für meine Weiterreise ins Land der Langen Weißen Wolke vorzubereiten. Meine letzten Tage verbrachte ich leider bei viel Regen an absoluten Traumstränden zwischen Brisbane und Sydney. In Minnie Waters beobachtete ich völlig furchtlose Vögel, die wohl selten Menschen sehen und sich teils aus fünfzig Zentimeter Entfernung fotografieren ließen. Ich traf einen alten Kumpel aus meiner Heimatstadt, der als Surflehrer durch die Welt reist und tätowierte ihn Spontan unter freiem Himmel nur wenige Meter von der Brandung des Südpazifiks entfernt. Irgendwann war diese Traumzeit vorbei und ich musste mich sputen um mit der Reinigung meines Motorrades zu beginnen, weil dieselben strengen Quarantänebestimmungen für die Einreise nach Neuseeland herrschen, wie für Australien auch. Südlich von Sydney hatte ich junge Leute in Bowral kennengelernt, die selbst eine Fahrt mit Motorrädern nach Europa von Australien aus planen. Sie löcherten mich mit Fragen und stellten mir ihre Garage für die ausgiebige Putzaktion zur Verfügung. Die Luftfracht die ich diesmal organisiert hatte um nach Neuseeland zu gelangen klappte absolut reibungslos. Eine gute Kiste für die Verpackung wartete auf mich bei der Frachtfirma und keine zwei Stunden später war alles verstaut. Nun blieben mir noch zwei Tage in Sydney die ich bei Jax, einer Frau die Australien zwei Jahre lang auf einem Postbotenmoped durchquert hatte, verbrachte. Jax hatte auf ihrer Reise über 50.000km zurückgelegt und sie ist im Besitz von zwei dieser tollen Mopeds. Gemeinsam mit ihr besichtigte ich ausgiebig mit den Postmopeds die vor Schönheit strotzende größte Australische Stadt Sydney.

 

Drei Monate Australien…kaum genug für dieses riesige Land!

Ich habe die Zeit in Australien sehr genossen. Die Vielfalt der Landschaft, die vollkommen andere und fremde Flora und Fauna haben mich hier jeden Tag aufs Neue fasziniert. Hier morgens von mir völlig fremden Vogelstimmen geweckt zu werden, war immer wieder schön. Die Weite des Outback hat mich manchen Tag eingeschüchtert, eine solche Einsamkeit habe ich nie zuvor erfahren. Die Australier die ich kennenlernen durfte waren allesamt Hilfsbereit und Gastfreundlich. Es war leider in dieser kurzen Zeit nicht möglich einen persönlichen Kontakt zu den Ureinwohnern Australiens herzustellen. Ihre sozialen Probleme und manche Benachteiligungen in dieser neuen, modernen Welt die um sie rum entstanden ist, sind unverkennbar und leider waren viele Aborigines die ich traf sehr, sehr schüchtern. Schockierend waren manche offenen Minen die ich im Land entdeckte, es ist schwer vorstellbar, dass eine Gewinnung von Rohstoffen auf diese Art und Weise, keinen verheerenden Effekt auf das Ökosystem dieses Landes haben wird. Australien ist für einen Europäer unvorstellbar groß und ich habe auf meinen 10.000km die ich hier Motorrad fahren durfte sicher nur an der Oberfläche gekratzt…gern würde ich hier nochmal einige Monate verbringen…

Morgen geht’s für mich nach Neuseeland…ein Land das ich schon oft besuchte und in dem ich viele Freunde habe…weiter, immer weiter!

Heiko Gantenberg