Von Europa nach Indien

Annähernd ein halbes Jahr bin ich nun mit meiner Honda Africa Twin Baujahr 1994 unterwegs, habe etwas über 21.000 Km zurückgelegt und seit dem 16.August in Indien unterwegs. Ich bin bisher rundum zufrieden mit diesem Motorrad und habe bereits jetzt den Eindruck, die richtige Wahl ein Motorrad für eine Reise mit der Dauer und Kilometerleistung wie ich sie anstrebe, getroffen zu haben. Alle bisher nicht Nennenswerten aufgetretenen Technischen Probleme konnte ich innerhalb kürzester Zeit lokalisieren und mit dem von mir mitgeführten Werkzeug beheben.

 

 

Ich habe im Vergleich zu einem modernen Motorrad dieser Bauart zwar deutlich weniger Leistung, liege was Benzinverbrauch angeht aber auf demselben Niveau. Diese mindere Leistung beschert mir eher einen geringeren Reifenverschleiß, weil wo Pferde schlummern, werden sie auch gerne mal geweckt…! Die Straßenverhältnisse die sich mir seit dem Erreichen Pakistans bieten, erfordern diese zusätzliche Leistung keinesfalls. Ich habe auf meiner bisherigen Reise acht Länder besuchen können, viele weitere werden hoffentlich folgen. Zu Beginn war ich geschuldet durch Visabestimmungen mancher Länder die ich besuchte etwas gehetzt. Ich habe bisher seit dem ich meine Heimat das Ruhrgebiet im Mai verlassen habe, zunächst Österreich, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, die Türkei und den Iran bereist. Nur sechs Wochen später habe ich bei Taftan die berüchtigte Grenze nach Pakistan überquert.

Von dort fuhr ich durch das leider sehr heikle Belutschistan in Begleitung schwer bewaffneter Levies nach Quetta. Ab Quetta konnte ich endlich etwas Geschwindigkeit drosseln und in Ruhe reisen. Ich besuchte Pakistan für weitere sechs Wochen ausgiebig. Da die Grenzregionen zu Afghanistan derzeit zu unsicher sind, setzte ich meine Reise zunächst in Richtung Südost fort. Dabei durchquerte ich zur denkbar ungünstigsten Zeit die heißeste Region Asiens. Es herrschten Temperaturen von annähernd 50° im Schatten und der Fastenmonat Ramadan erschwerte den Erwerb von Nahrung und Trinkwasser zusätzlich. Nachdem ich bei Sukkur den Indus überquert hatte befand ich mich in vermeintlich sicheren Gebieten und konnte meine Reise in Nördlicher Richtung fortsetzen. Es gelang mir den Karakorum Highway im Norden Pakistans in voller Länge bis zur Chinesischen Grenze zu befahren, sicherlich eines der Landschaftlichen Highlights meiner bisherigen Reise.

Mitte August erreichte ich schließlich Indien und besuchte dort zunächst den Nördlichsten Teil des Landes Kaschmir. Ich erlebte ein weiteres Mal atemberaubende Strecken in schwindelnden Höhen. Nachdem ich zunächst geruhsame Tage auf einem Hausboot in Srinagar auf dem Dal See verbrachte und mich auf die bevorstehenden extremen Höhen die es nun zu überwinden galt akklimatisieren konnte, setzte ich meine Reise über Kargil in das Buddhistisch geprägte Leh in 3600 Metern Höhe fort. Von dort unternahm ich einen Ausflug auf den höchsten befahrbaren Pass der Erde mit 5359 Metern Höhe, dem Khardung La. An alle technisch Interessierten hier die wie ich noch ein Motorrad mit antiker Vergasertechnik fahren…ja, eine Vergasermotorrad fährt in dieser Höhe noch. Der Leistungsverlust ist enorm, aber es bleibt fahrbar! Ich nutzte den Ausflug zu diesem Pass einen Höhenrekord in meinem Beruf aufzustellen indem ich eine Tätowierung mit der Bordeigenen Stromversorgung meines Motorrades anfertigte. Beim Tätowieren, meiner dritten Leidenschaft mit dem Motorradfahren und Reisen, dem Auslöser dieses Reiseprojektes, konnte ich im bisherigen Reiseverlauf wertvolle neue Erfahrungen gewinnen. Die bisher schönste für mich war, das Vertrauen einer traditionell lebenden Frau vom Volk der Ahir zu bekommen, ihr eine Tätowierung anfertigen zu dürfen im Stil den ihr Volk dort seit über tausend Jahren pflegt. Die Frauen der Ahir, einem Nomadenvolk aus dem Kutchch in der Provinz Gujarat in Indien, sind wie viele andere Völker dieser Wüstenregion nahe der Pakistanischen Grenze, seit jeher aufwendig an Hals, Unterarmen und Händen tätowiert. Meine Reise durch Indien, einem Land das täglich mit neuen Eindrücken überrascht, wird mich in den kommenden Wochen in die Megastadt Delhi führen, wo ich zur internationalen Tattoo Convention eingeladen wurde. Der Verkehr und die zum Teil desaströsen Straßenverhältnisse in Indien, machen das Motorradfahren hier zu einer besonderen Herausforderung an Material und Fahrer. Ich bin nach wie vor sehr froh ein Fahrwerk von Touratech zu fahren, das wirklich jeden Spaß mitmacht, der mir hier unter die Räder kommt. Ein Reifen wie ihn mir Metzeler mit dem Karoo3 zur Verfügung stellt, hilft ebenso Brenzlige Situationen, die hier gehäuft auftreten, trotz schwerer Beladung zu meistern. Ein Bollwerk der Stabilität ist mein Touratech Koffersystem, sowie die Schutzbügel um meinen 43Liter Tank. Ich habe aufgehört zu zählen wie oft das Motorrad seit meiner Abfahrt auf der Seite lag. Sehen tut man davon nichts! Ich werde meine Reisen und Studien des Tätowierens noch bis Jahresende in Indien fortsetzen und hoffe im Januar Myanmar durchqueren zu können um danach meine Reise in Südostasien weiter zu führen…Ich werde Euch hier auf dem Laufenden halten… Notch die Welt!

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Heiko Gantenberg